Einführung Mehrgenerationenhaus
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Die Gemeinde Zetel stellt sich dem demografischen Wandel. Im Jahre 2009 wurden unter Anleitung der Forum GmbH Oldenburg vier Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Themen zum demografischen Wandel befasst haben. 50 Bürgerinnen und Bürger haben mitgewirkt und konkrete Projektansätze eingebracht. Die Abschlusspräsentation fand im April 2010, also vor eineinhalb Jahren im Zeteler Kino vor 80 interessierten Bürgerinnen und Bürgern statt. Dieser Ort wurde mit Bedacht gewählt, denn der Komplex war schon länger ein angedachter Standort für eine generationenübergreifende Begegnungsstätte. Bei der Analyse der Ausgangssituationen der vier Arbeitsgruppen wurde als wichtigstes Querschnittsthema das Fehlen eines zentralen, von allen Generationen anerkannten Kristallisationsort des Zeteler Lebens herausgestellt.
Die im Anschluss gebildete Lenkungsgruppe aus Bürgerinnen und Bürgern und Mitgliedern des Gemeinderates hat sich mehrfach mit dem Standort und den Möglichkeiten, die dieser Komplex bietet, befasst.
Also ein basisdemokratischer Prozess und nicht eine Eigenentwicklung der Verwaltung der Gemeinde Zetel.
Die Gemeindeverwaltung hat sich allerdings um Fördergelder bemüht. Zuerst hat sie den Versuch gestartet, in das erste laufende Förderprogramm einzusteigen, nachdem das Mehrgenerationenhaus in Sande gescheitert war. Eine Förderung war aber in einer laufenden Periode nicht möglich. Über den Schriftwechsel mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Hermann Kues ist genauso berichtet worden wie über das neue Bekundungsverfahren für eine Neuaufnahme. Im August dieses Jahres hatten wir dem Bundesfamilienministerium gegenüber unser Interesse an der Einrichtung eines Mehrgenerationenhauses bekundet. Bereits im November kam die freudige Mitteilung, dass sich in Zetel das einzig im Landkreis Friesland geförderte Mehrgenerationenhaus gründen darf und zwar im Komplex Kino und Gaststätte Janssen.
Nun geht es daran, die Idee mit Leben zu füllen. Dazu sind nicht nur Gemeindeverwaltung und Ratsmitglieder gefragt, sondern auch alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.
Das Konzept sieht eine Nutzung des Kinos, der ehemaligen Gaststätte sowie des ehemaligen Saals „Libelle“ vor.
Vorstellbar ist, dass das Kino von einem gemeinnützigen Verein geführt wird. Bereits jetzt gibt es Bürgerinnen und Bürger, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung Interesse an einer Mitarbeit bekundet haben. Das nächste Kino befindet sich in Wilhelmshaven. Für eine Familie mit kleinen Kindern ist ein Kinobesuch fast nicht mehr leistbar, da neben Eintritt auch noch mit „kindgerechten Verzehrangeboten“ gelockt wird, die den Geldbeutel eines Normalverdieners arg strapazieren. Es soll ein familiengerechtes und leistbares Kinoprogramm auf die Beine gestellt und auch Themenkino angeboten werden. Der große Kinosaal ist aber auch für Kultur- und Musikveranstaltungen nutzbar. Schülerbands und Volksmusikanten sind herzlich willkommen und vieles mehr ist denkbar.
In der ehemaligen Gaststube möchten wir zentral ein schmuckes Cafe einrichten. Alle Besucher werden herzlich willkommen sein; wir stellen uns ein Miteinander von Jung und Alt im Stil der Wiener Kaffeehäuser vor. Einen Mittagstisch für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Senioren und auch für die Berufstätigen im Ort. Es war im in den Arbeitsgruppen die Kernaussage, dass ein solches Angebot fehlt.
Der Saal soll als Raum für Veranstaltungen, Treffen und Feste genutzt werden. Wir verfügen noch über das ehemalige Gestühl aus der Alten Schule Marschstraße, dass noch gut ist, um in der Probephase gute Dienste für den Zweck zu leisten.
Das Cafe und der Saal sollen von einem privaten Betreiber geführt werden. Neben den Bewirtschaftungskosten muss er Hausmeisterdienste übernehmen und vertraglich garantieren, dass auch Menschen willkommen sind, die nichts verzehren möchten. Zudem muss der Saal kostenfrei für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt werden.
In der Gemeinde Zetel besteht bereits jetzt ein sehr gut funktionierendes Netzwerk unterschiedlicher Fachstellen und Institutionen wie Besuchsdienst, Jugendtreff Steps, Pflegedienst und IAV-Stelle. Ziel des Mehrgenerationenhauses ist es, Angebote und Strukturen in das Konzept einzubinden und miteinander zu vernetzen. Menschen, die sich ehrenamtlich in unserer Gemeinde engagieren möchten, finden im Mehrgenerationenhaus zukünftig eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner, den wir für einen Förderzeitraum von drei Jahren halbtags beschäftigen wollen. Sie oder er soll auch generationsübergreifende Angebote im Haus planen und begleiten.
Auch eine kleine Wohnung befindet sich im Hause. Wir möchten diese nicht vermieten, sondern abwarten, ob sich im Rahmen des Betriebs Ideen für eine Nutzung ergeben. Vielleicht kann man hier eine Kurzzeitbetreuung für Kinder anbieten.
Mit der Belebung des Cafe- und Kinokomplexes wird wieder mehr Leben in die Hauptstraße kommen. Sie wird momentan von Leerständen geprägt und wir sollten daran arbeiten, dass die Straße attraktiver wird. Das ist Grundvoraussetzung dafür, dass sich Investoren finden. Wir haben in der Vergangenheit in die Jakob-Borchers-Straße, Bahnhofstraße und Neuenburger Straße investiert. Insbesondere die attraktive Gestaltung der Bahnhofstraße hat dazu beigetragen, dass die dortigen Leerstände fast verschwunden sind. Eigentlich wäre die Hauptstraße ein prädestiniertes Projekt für eine Städtebauförderung, aber leider wurden die Mittel stark reduziert. Die Gemeinde Zetel ist nie in den Genuss dieser Förderungen gekommen und trotzdem ist es ihr mit eigenen Mitteln gelungen, im Ortskern städtebauliche Akzente zu setzen.
In einem ersten Schritt würden wir vor dem Gebäude einen Teil des Parkstreifens aufheben und hier eine Außenterrasse anlegen. Die Arbeiten sollen in einem Projekt von unseren Auszubildenden des Bauhofes durchgeführt werden.
Das Haus mit Kino, Gaststätte, Saal und Wohnung ist uns zu einem Mietpreis von 1.500 € angeboten worden. Das entspricht in etwa einem Mietpreis von 2 € pro Quadratmeter. Ortsüblich wären für ein dieses Objekt 5 €. Pro Jahr hätten wir dann jedoch auch Mehrkosten in Höhe von 25.000 €. Wir schlagen vor, es bei der reduzierten Miete zu belassen und sie auch verbindlich zu vereinbaren und selbst in einem maßvollen Umfang zu investieren. Zu den notwendigen Maßnahmen und Kosten wird im Anschluss Herr Kapels etwas sagen. Er plant für die Gemeinde übrigens umsonst. Auch er hat sich ehrenamtlich in eine Arbeitsgruppe zum demografischen Wandel eingebracht und ist selbst überzeugt vom Gelingen unseres Vorhabens.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass es keine verwandtschaftlichen Bindungen waren, die die Idee eines Mehrgenerationenhauses in den Räumen der ehemaligen Gaststätte Janssen geboren haben. Was da so zu Ohren kommt ist nicht begründete Schlauschnackerei. Erst war die Idee da und dann natürlich auch das Werben um politische Unterstützung. Dafür haben wir doch unsere Abgeordneten. Das sich MdB Hans-Werner Kammer als Mitglied der Regierungskoalition mehr einbringen konnte, habe ich dankbar angenommen.
Die Kosten für Miete und Personal werden aus der Projektfinanzierung getragen. Die Unterhaltungskosten wie Strom, Heizung usw. müssen aus dem laufenden Betrieb finanziert werden.
Sofern die politischen Gremien zustimmen können und dafür werben wir, schlagen wir wie bereits in der Lenkungsgruppe erörtert, vor, Arbeitsgruppen zu bilden, die sich mit
- dem Betrieb des Kinos,
- der Einrichtung des Cafes
- der Erarbeitung von Veranstaltungen und Angeboten
- und der Gestaltung der Hauptstraße befassen.
Persönlich wäre für mich das ein Prozess auf der Basis politischer Grundsatzentscheidungen mit Bürgerinnen und Bürgern in Fortsetzung des demografischen Prozesses im Sinne einer Bürgergemeinde zu wirken.
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